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>> FILMVORFÜHRUNGEN / FILMGESPRÄCHE
Der Regisseur kommt auch in ihre/deine Schule.

Filmvorführungen mit anschliessender Gesprächsrunde können gemeinsam veranstaltet werden.

Anfragen an >> kontakt@emilia-der-film.de

>> FRAGEN & ANTWORTEN
Wie kamen sie auf die Idee Emilia Galotti zu verfilmen?
Warum haben sie die Verfilmung auf die heutige Zeit bezogen?


Es gibt eine Hamlet Verfilmung mit Ethan Hawk als Hamlet, die mich sehr beeindruckt hat. Ich finde es großartig, wie dieser Film es schafft eine alte Kunstsprache in die Gegenwart zu holen. Diese wunderschöne Sprache wird für den Betrachter auf einmal zur Umgangssprache. Der Film transportiert die Charaktere in die Gegenwart und verschafft einem neuen Zugang zu einem Klassiker. Erst da ist mir aufgefallen, dass die Amerikaner und Engländer ihre Klassiker in allen Variationen verfilmen. Mal klassisch, mal modern, ...

Warum gibt es keine einzige deutsche moderne Klassiker Verfilmung? Das hat mich gereizt. Auch ich musste früher in der Schule Emilia Galotti lesen. Damals schon hat die Figur der Emilia starken Eindruck auf mich gemacht. Alter Stoff ist Lessing dennoch nicht, da sich die Welt und ihre Probleme nur wenig verändert haben.
Der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit ist nicht weniger bedeutsam geworden. Auch Klassenunterschiede sind die gleichen geblieben, auch wenn man in Deutschland offiziell den Adel abgeschafft hat.


Welche Intention verfolgten Sie mit diesem Film, was für eine Aussageabsicht hat der Film?
Was hat Sie dazu gebracht dem Film ein derart anderes Ende zu geben, als es das Drama Lessings hat?

Die Verfilmung einer Vorlage, sei es nach einem Roman oder nach einem Bühnenstück kann grundsätzlich nur eine Interpretation sein. Ich kann eine Geschichte nur so erzählen, wie ich sie selbst wahrnehme. Es kann keine richtige oder falsche Inszenierung geben.

Meiner Meinung nach geht es um Emilias Kampf nach Freiheit und Unabhängigkeit. Emilia wird zum Spielball zwischen den Interessen aller Beteiligten. Appiani will über Emilia dem Vater Emilias näher kommen. Er bewundert Odoardo und will sich durch die Hochzeit zu seinem Sohn machen. Odorado ist ein Mann voller Stolz und Ehre. Emilia soll unter seinen Vorgaben leben. Seine Moral ist das Maß aller Dinge. Claudia kann unter dem Vorwand ihre Tochter eine moderne Bildung zu ermöglichen selbst dem Landleben entfliehen. Sie lebt mit der Tochter in der Stadt und entgeht auf diesem Weg den permanenten Anweisungen Odoardos. Hettore will Herzen erobern. Das Ausleben seiner romantischen Fantasien ist ihm Wichtiger als der Wille seiner Liebschaften. Er entzieht sich jeglicher Verantwortung durch sein kindisches Gehabe. Marinelli nutzt Hettores unersättliche Abendteuerlust, um zu gefallen und grösseren Einfluss und damit mehr Macht zu haben.
Orsina nutzt ihr Wissen über das Attentat um sich an Hettore zu rächen. Niemand fragt nach dem Willen Emilias!

Durch das Liebesgeständnis Hettores kommt Emilia ins Schwanken. Zum ersten mal hinterfragt sie ihr Leben. Will sie Appiani überhaupt heiraten? Will sie letzten Endes einfach nur ihren Eltern gefallen? Will sie sich Hettore hingeben? Sie stellt fest, dass sie eigentlich garnicht weiss, was sie überhaupt will und muss sich von allen frei machen, um ihren eigenen Weg zu finden. Um das zu erreichen hat sie bei Lessing keine andere Möglichkeit, als in den Tod zu fliehen. In der Gewalt des Prinzen ist sie in Untersuchungshaft gefangen und muss damit rechnen vergewaltigt zu werden. Sie spürt, dass sie eine erotische Anziehung zum Prinzen empfindet ("Auch meinen Sinne sind Sinne, ich stehe für nichts") Sie möchte Appiani und ihrern eigenen moralischen Vorstellungen treu bleiben. In ihrer Entscheidung geht sie sogar so weit, ihren Vater zu zwingen sie zu nöten. Als Selbstmörderin würde sie eine Sünde vor Gott begehen, also muss der Vater ihre Entscheidung akzeptieren und sie töten.

Da mein Film in der Gegenwart spielt, gibt es für Emilia andere Möglichkeiten als der Tod. Entscheidend für mich ist, dass sich Emilia sowohl bei Lessing, als auch in meiner Version frei entscheidet. Daher empfinde ich mein Ende nicht weit von Lessings Ende entfernt.


Wie lange haben sie an dem Film gearbeitet?

Die Idee hatte ich im 03.12.2002. Ein Jahr später, am 10.01.2004 haben wir den ersten Drehtag gehabt und am 23.02.2004 den letzten. Am 16.06.2004 war der Schnitt fertig. Dann gab es eine relativ aufwendige Bildnachbearbeitung. Acht Monate haben wir daran gebastelt. Filmmusik, Sounddesign, Tonmischung haben dann auch noch mal ein paar Monate gedauert. Fertig war der Film irgendwann in der Nacht vom 28.04. auf den 29.04.2005 ... TV Premiere war am 21.11.2005, Kinopremiere auf den Filmtagen in Solothurn (Schweiz) am 20.01.2006


Welche Bedeutung hat der Song "Natürlich kann ich fliegen" in der Entstehung des Films?

Der Song "Natürlich kann ich fliegen" ist von Anjaka. Anjaka ist die alte Band der Sängerin Anja Krabbe. Ihre neue Band heisst AK4711. Den Song "Natürlich kann ich fliegen kenne ich schon sehr lange und habe ihn schon beim schreiben des Drehbuchs zu Emilia im Kopf gehabt. In dem Song geht es darum sich aus alten Ketten zu befreien und seinen Weg zu finden. Darum geht es auch in meinem Film. Emilia ist dabei sich im Leben zu orientieren, sucht noch nach ihrem Lebensweg. Daher passen mein Film und Anjas Musik perfekt zusammen.

>> DER REGISSEUR
Henrik Pfeifer ist Jahrgang 68, in Remscheid geboren und lebt seit 1998 in Berlin.

Nach zahlreichen Musikvideos, Kurzfilmen und zwei Theaterinszenierungen startete er vor kurzem mit dem Spielfilm "Emilia" sein Debüt als Filmregisseur.

EMILIA hatte am 21.11.2005 TV-Premiere auf arte und am 20.01.2006 Kino-Premiere auf den Filmtagen in Solothurn (Schweiz).


Filmografie (Auswahl)

2003 NICE BABY – Kurzfilm mit Mario Pokatzky
2002 MY BABYS ROADMOVIE – Kurzfilm mit Roman Roth, Friederike Elsner
2001 MEETING ME – Kurzfilm mit Katrin Fehse, Erwin Neuwardt
2000 SCHIZO – Kurzfilm mit Malte Ruthard, Amela Herceg
1999 UCI-KINOWELT – MTV-Werbespot, Produktion: Tracks-Film GmbH Berlin)
BANANAS – Musikvideo, Jammin Jim / Jive Records (Produktion: Tracks-Film GmbH Berlin)
IMAGINATION – Musikvideo, Sequential One (ATB) / House Nation
1998 DER ZEHN UHR VORTRAG – Atelier Thomas Kohl Köln (Premiere am 27.02.1998)
1997 ALL THOSE MEMORIES – Musikvideo, Pothead / Edel Records
1996 FRAUEN; SEX & LEICHEN – Atelier-Theater Köln (Premiere am 19.09.1996)
DRIVE MY CAR – Musikvideo, Dan Sataniel
1995 KICK IT NICE´N EASY – Musikvideo, Kojo Antwi / Freedom Family Music
TRITONOLOGIE OF LIFE – Musikvideo, Matalex / Lipstick Records
SESSE WO SE – Musikvideo, Daddy Lumba / Lumba Records
CHILDREN OF THE FUTURE – Musikvideo, Daddy Lumba (Nr.1 Hit in Ghana & Jamaica)
1994 AFRICA – Musikvideo, Ike MC / MCA Records
BÜRGER GEGEN GEWALT – Kurzfilm mit Niki Gräb
SO SEXY – Musikvideo, Detached / TEC Music
1993 LIES – Musikvideo, Seven Days a Week / Deutscher Rockpreis 1993
seit 1988 Fotografie Schauspielerportraits, Aktportraits, Plattencover, Werbung

www.henrik-pfeifer.de

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